Pflegewissenschaft untersucht mit wissenschaftlichen Methoden, wie Pflege wirkt, wie sie organisiert werden sollte und wie pflegerisches Handeln fundiert begründet werden kann. Sie umfasst sowohl grundlagenorientierte als auch anwendungsbezogene Forschung, etwa zu Pflegephänomenen, Versorgungsprozessen, Interventionen und der Wirksamkeit pflegerischer Konzepte.
Grundlagen
In Deutschland hat sich Pflegewissenschaft seit den frühen 1990er-Jahren als eigenständige Hochschuldisziplin etabliert, mit eigenen Lehrstühlen, Bachelor- und Masterstudiengängen sowie Promotionsmöglichkeiten. Das Pflegeberufegesetz schafft mit der hochschulischen Pflegeausbildung eine Schnittstelle zur Pflegewissenschaft, indem es akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen vorsieht, die neben der praktischen Ausbildung wissenschaftliche Kompetenzen erwerben. Pflegewissenschaftliche Erkenntnisse bilden zudem die methodische Grundlage der Expertenstandards, die auf systematischen Literaturanalysen beruhen.
Bedeutung für die Praxis
Für Führungskräfte in der Pflege liefert Pflegewissenschaft die fachliche Begründung für Entscheidungen im Pflegeprozess, in der Personalentwicklung und in der Qualitätsentwicklung. Konzepte wie Advanced Nursing Practice oder Community Health Nursing sind unmittelbare Ergebnisse pflegewissenschaftlicher Weiterentwicklung und verändern, welche Aufgaben akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen eigenständig übernehmen können. Pflegemanagement selbst greift auf pflegewissenschaftliche Forschung zurück, etwa wenn es um evidenzbasierte Entscheidungen zu Versorgungskonzepten, Personaleinsatz oder Qualitätsindikatoren geht.
In der Einrichtung zeigt sich der Einfluss der Pflegewissenschaft weniger in eigenständigen Forschungsprojekten als in der Übernahme ihrer Ergebnisse: über Fortbildungen, Fachliteratur und die bereits erwähnten Expertenstandards gelangt neues Wissen in Verfahrensanweisungen und Schulungskonzepte. Einrichtungen mit akademisch qualifizierten Pflegefachpersonen oder Kooperationen mit Hochschulen können zudem an Studien und Praxisprojekten mitwirken, etwa zur Einführung neuer Versorgungskonzepte oder zur Evaluation bestehender Abläufe. Für die Personalentwicklung ist relevant, dass ein wissenschaftlich fundiertes Studium im Pflegemanagement andere Kompetenzen vermittelt als eine rein berufspraktische Weiterbildung, etwa im Lesen und Bewerten von Forschungsliteratur.
Abgrenzung
Pflegewissenschaft ist von der praktischen Pflegeausbildung zu unterscheiden, die berufliche Handlungskompetenz vermittelt, aber nicht zwingend wissenschaftlich qualifiziert. Sie ist außerdem von der Pflegepädagogik abzugrenzen, die sich auf die Vermittlung von Pflegewissen in der Ausbildung konzentriert, während Pflegewissenschaft im engeren Sinn auf die Erzeugung neuen Wissens durch Forschung zielt. Vom Pflegemanagement als Führungsdisziplin unterscheidet sie sich dadurch, dass Pflegemanagement organisatorische und wirtschaftliche Steuerung in den Mittelpunkt stellt, während Pflegewissenschaft die inhaltliche und methodische Grundlage dafür liefert, auf welcher Evidenz solche Entscheidungen beruhen sollten.