Pflegeprozess

Auch: Pflegeprozessmodell

Der Pflegeprozess ist die systematische, zyklische Vorgehensweise, mit der Pflegefachpersonen den individuellen Pflegebedarf eines Menschen erfassen, planen, durchführen und bewerten.

Der Pflegeprozess ist die systematische, zyklische Vorgehensweise, mit der Pflegefachpersonen den individuellen Pflegebedarf eines Menschen erfassen, planen, durchführen und bewerten. Er bildet die fachliche Grundlage jeder professionellen Pflege und macht pflegerisches Handeln nachvollziehbar, überprüfbar und an den jeweiligen Bedarf anpassbar. Der Pflegeprozess verläuft nicht linear, sondern als fortlaufender Kreislauf, der bei Veränderungen des Zustands erneut durchlaufen wird.

Pflegeprozess als sechsschrittiger RegelkreisKreisdarstellung der sechs Schritte des Pflegeprozesses von der Informationssammlung bis zur Beurteilung.Pflegeprozess als sechsschrittiger RegelkreisPflege-prozess1Informationensammeln2Probleme undRessourcenerkennen3Pflegezielefestlegen4Maßnahmenplanen5Maßnahmendurchführen6Wirkungbeurteilen
Pflegeprozess als sechsschrittiger Regelkreis

Grundlagen

International verbreitet ist ein sechsstufiges Modell mit den Phasen Informationssammlung, Erkennen von Problemen und Ressourcen, Festlegen der Pflegeziele, Planung der Maßnahmen, Durchführung der Pflege und Beurteilung der Wirkung. In Deutschland hat sich mit dem Strukturmodell zur Pflegedokumentation ein vereinfachtes vierphasiges Vorgehen etabliert, das auf der Strukturierten Informationssammlung aufbaut und die klassischen Phasen zu Informationssammlung, Maßnahmenplanung, Durchführung und Evaluation bündelt. Beide Modelle folgen derselben Grundlogik und unterscheiden sich vor allem im Grad der Dokumentationstiefe.

Bedeutung für die Praxis

Für Pflegedienstleitungen und Qualitätsbeauftragte ist der Pflegeprozess das zentrale Ordnungsprinzip, an dem sich die Pflegeplanung und die Pflegedokumentation ausrichten. Er stellt sicher, dass Pflege individuell begründet, nachvollziehbar dokumentiert und regelmäßig evaluiert wird, was sowohl für die fachliche Qualität als auch für Prüfungen des Medizinischen Dienstes von Bedeutung ist. In der Praxis wird der Pflegeprozess eng mit Expertenstandards des DNQP verknüpft, die für einzelne Pflegephänomene konkrete Handlungsanweisungen liefern. Leitungen verantworten, dass Mitarbeitende den Pflegeprozess korrekt anwenden, dass die Informationssammlung aktuell gehalten wird und dass Ziele und Maßnahmen bei Veränderungen des Pflegebedarfs zeitnah angepasst werden.

Abgrenzung

Der Pflegeprozess ist von der Pflegeplanung abzugrenzen, die als schriftliches Ergebnis einzelner Prozessphasen die konkreten Ziele und Maßnahmen festhält. Er unterscheidet sich außerdem vom Qualitätsmanagement, das die Rahmenbedingungen und Nachweise für die gesamte Einrichtung organisiert, während der Pflegeprozess auf der Ebene des einzelnen Pflegebedürftigen ansetzt.

  • Informationssammlung
  • Erkennen von Problemen und Ressourcen
  • Festlegen der Pflegeziele
  • Planung der Maßnahmen
  • Durchführung der Pflege
  • Beurteilung der Wirkung (Evaluation)

In der Praxis scheitert die konsequente Anwendung des Pflegeprozesses häufig weniger an der fachlichen Methodik als an Zeitdruck und lückenhafter Dokumentation im Schichtalltag. Leitungen sollten deshalb regelmäßig prüfen, ob Informationssammlung, Zielformulierung und Evaluation tatsächlich fortlaufend aktualisiert werden und nicht nur formal bei Aufnahme einer Person erfolgen. Schulungen zum Pflegeprozess und zur Nutzung der eingesetzten Pflegesoftware unterstützen dabei, dass die einzelnen Phasen im Alltag nachvollziehbar bleiben und bei Prüfungen des Medizinischen Dienstes belastbar dargelegt werden können.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

  • Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) – Expertenstandards
  • Bundesministerium für Gesundheit – Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation

Stand der Angaben: September 2026

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