Advanced Nursing Practice

Auch: ANP, Erweiterte Pflegepraxis

Advanced Nursing Practice bezeichnet pflegerische Rollen mit erweiterter, meist akademisch qualifizierter Handlungskompetenz, etwa in Symptomeinschätzung oder Steuerung komplexer Versorgungsprozesse, über die grundständige Pflegeausbildung hinaus.

Advanced Nursing Practice (ANP), im Deutschen auch erweiterte Pflegepraxis genannt, bezeichnet pflegerische Rollen mit vertieften, meist auf einem Masterabschluss beruhenden Kompetenzen. Pflegefachpersonen mit ANP-Qualifikation übernehmen erweiterte Aufgaben in Diagnostik, Symptommanagement, Beratung und der Steuerung komplexer Versorgungsverläufe, die über die grundständige Pflegeausbildung hinausgehen.

Grundlagen

International ist ANP vor allem in Ländern wie den USA, Kanada, Großbritannien und den Niederlanden als eigenständige, oft mit erweiterten Verordnungsbefugnissen ausgestattete Rolle etabliert, etwa als Nurse Practitioner. In Deutschland ist Advanced Nursing Practice bislang kein gesetzlich geschützter Titel; die Umsetzung erfolgt über Modellprojekte, akademische Weiterqualifizierung und einzelne Übertragungen ärztlicher Tätigkeiten im Rahmen der Delegation ärztlicher Leistungen oder im Rahmen von Modellvorhaben nach dem Pflegeberufegesetz. Die konkrete Ausgestaltung von Kompetenzen und Befugnissen ist in Deutschland zum Stand dieses Textes uneinheitlich und Gegenstand fachpolitischer Debatten, etwa im Zusammenhang mit der Übertragung heilkundlicher Tätigkeiten.

Bedeutung für die Praxis

Für Pflegedirektorinnen und Pflegedienstleitungen ist Advanced Nursing Practice relevant, wenn sie akademisierte Pflegefachpersonen gezielt in spezialisierten Bereichen einsetzen wollen, etwa in Wundversorgung, Schmerzmanagement, Palliativpflege oder im Case Management komplexer Fälle. ANP-Rollen können Versorgungslücken schließen, etwa wenn ärztliche Kapazitäten knapp sind, setzen aber klare Regelungen zu Aufgabenübertragung, Haftung und Dokumentation voraus. Leitungen prüfen bei der Einführung solcher Rollen, welche Tätigkeiten im Rahmen bestehender Delegationsregelungen zulässig sind und wie die Qualifikation der betreffenden Pflegefachpersonen nachgewiesen wird. In der pflegewissenschaftlichen Forschung dient Advanced Nursing Practice zudem als Referenzrahmen dafür, wie akademisierte Pflege in Deutschland künftig stärker in die Versorgungssteuerung eingebunden werden kann, etwa in spezialisierten Ambulanzen oder in der Begleitung chronisch kranker Menschen.

Abgrenzung

Advanced Nursing Practice ist von der Praxisanleitung zu unterscheiden, die auf die Ausbildung und Einarbeitung von Auszubildenden zielt und keine erweiterte klinische Entscheidungsbefugnis umfasst. Auch von Community Health Nursing grenzt sich ANP ab: Community Health Nursing beschreibt einen Versorgungsansatz mit Fokus auf gemeindenahe, oft präventive Versorgung, während ANP eine Qualifikationsstufe mit erweiterten klinischen Kompetenzen bezeichnet, die auch außerhalb der Gemeindepflege ausgeübt werden kann. Von der Rolle der verantwortlichen Pflegefachkraft unterscheidet sich ANP dadurch, dass Letztere eine organisatorisch definierte Leitungsfunktion in der ambulanten oder stationären Pflege bezeichnet, während ANP eine klinisch-fachliche Kompetenzstufe beschreibt.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

Alle Begriffe im Pflegemanagement-Glossar