Primary Nursing

Primary Nursing ist ein Pflegeorganisationssystem, bei dem eine Pflegefachperson über den gesamten Versorgungszeitraum die durchgehende fachliche Verantwortung für eine feste Gruppe von Bewohnerinnen und Bewohnern trägt.

Primary Nursing ist ein Pflegeorganisationssystem, bei dem eine Pflegefachperson – die Primary Nurse – über den gesamten Versorgungszeitraum die fachliche Verantwortung für eine feste Gruppe von Bewohnerinnen, Bewohnern, Patientinnen oder Patienten trägt. Sie erstellt den Pflegeplan, spricht sich mit Ärztinnen, Ärzten und weiteren Berufsgruppen ab und ist erste Ansprechperson für Betroffene und Angehörige. In ihrer Abwesenheit übernehmen assoziierte Pflegefachpersonen die Versorgung nach dem von der Primary Nurse festgelegten Plan.

Rollen im Primary NursingDrei Säulen mit den Rollen Primary Nurse, Associate Nurse und Leitung.Rollen im Primary NursingPrimary Nurseübernimmt einen Fallvom Eintritt bis zumAustritterstellt undverantwortet diePflegeplanungist Ansprechpartnerinfür Angehörige undÄrzteAssociate Nursepflegt nach der Planungder Primary Nursemeldet Beobachtungenzurückändert die Planungnicht eigenständigLeitungordnet Fälle zu undsichert die Besetzungschafft Zeit für Planungund Übergabeprüft die Wirkung überPflegevisitenPrimary Nursing ordnet jede pflegebedürftige Person einer namentlich benanntenPflegefachperson zu. Die Verantwortung bleibt bei ihr, auch wenn andere die Pflegeausführen.
Rollen im Primary Nursing

Grundlagen

Primary Nursing ist kein gesetzlich vorgeschriebenes Modell, sondern eine Organisationsform der pflegerischen Versorgung, die sich von der funktionalen, aufgabenorientierten Pflege abgrenzt. Kennzeichnend ist die durchgehende Verantwortungsübernahme einer einzelnen Fachperson über den gesamten Betreuungsverlauf, statt wechselnder Zuständigkeiten je Schicht oder Tätigkeit. In Deutschland wird Primary Nursing vor allem in der ambulanten Intensivpflege, in der Palliativversorgung und in einzelnen Klinikbereichen eingesetzt, seltener in der stationären Langzeitpflege, wo Bezugspflegemodelle mit geringerem Organisationsaufwand verbreiteter sind.

Bedeutung für die Praxis

Für Pflegedienst- und Stationsleitungen bedeutet die Einführung von Primary Nursing eine grundlegende Veränderung der Dienstplanung und der Verantwortungsstruktur: Dienstpläne müssen so gestaltet werden, dass Primary Nurses ihre zugeordneten Personen möglichst durchgehend betreuen, was die Personaleinsatzplanung komplexer macht als bei rotierenden Zuständigkeiten. Die Leitung legt fest, wie viele Personen eine Primary Nurse gleichzeitig verantwortet, wie die Vertretung bei Ausfall organisiert ist und wie die Übergabe an assoziierte Pflegefachpersonen dokumentiert wird. In der Praxis berichten Einrichtungen von höherer Kontinuität in der Beziehungsgestaltung und klareren Zuständigkeiten gegenüber Angehörigen, gleichzeitig erfordert das Modell einen höheren Anteil examinierter Fachkräfte im Dienstplan, weil die durchgehende fachliche Verantwortung nicht an Assistenzkräfte delegierbar ist. Die Einführung wird deshalb meist schrittweise über Pilotbereiche erprobt, bevor sie einrichtungsweit umgesetzt wird.

Abgrenzung

Primary Nursing ist von der Bezugspflege abzugrenzen, mit der es häufig gleichgesetzt wird: Bezugspflege beschreibt allgemein feste Zuständigkeiten zwischen Pflegefachperson und Bewohnerin oder Bewohner, während Primary Nursing als spezifisches Organisationsmodell eine durchgehende, auch schichtübergreifende Verantwortung mit klar definierter Rollenteilung zwischen Primary Nurse und assoziierten Pflegefachpersonen vorsieht. Von der funktionalen Pflege unterscheidet sich Primary Nursing durch die personenbezogene statt aufgabenbezogene Organisation der Arbeit.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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