Bezugspflege

Bezugspflege ist ein Organisationsmodell, bei dem eine feste Pflegefachperson über längere Zeit durchgehend für dieselben Bewohnerinnen und Bewohner zuständig ist und deren Pflege plant und überwiegend durchführt.

Bezugspflege ist ein Organisationsmodell der Pflege, bei dem eine bestimmte Pflegefachperson über einen längeren Zeitraum durchgehend für dieselben Bewohnerinnen und Bewohner oder Patientinnen und Patienten zuständig ist. Sie plant die Pflege, führt einen Großteil der Maßnahmen selbst durch und ist erste Ansprechperson für Angehörige und andere Berufsgruppen.

Grundlagen

Eine eigene gesetzliche Regelung für Bezugspflege besteht nicht. Fachlich hergeleitet wird das Modell aus dem Pflegeprozess und den Empfehlungen der Expertenstandards, die eine kontinuierliche, personenzentrierte Beziehung zwischen Pflegefachperson und pflegebedürftigem Menschen als Voraussetzung für individuelle Pflegeplanung und Beziehungskontinuität beschreiben.

Bedeutung für die Praxis

Für die Einrichtungsleitung ist Bezugspflege eine Organisationsentscheidung mit Auswirkungen auf Dienstplanung, Zuständigkeiten und Qualität. Die Bezugspflegeperson kennt Biografie, Gewohnheiten und Veränderungen des Zustands genauer als wechselndes Personal, was insbesondere bei Menschen mit Demenz oder komplexem Pflegebedarf die Versorgungskontinuität verbessern kann. Gleichzeitig braucht das Modell eine funktionierende Vertretungsregelung für Urlaub, Krankheit und freie Tage, damit die Kontinuität nicht bei Abwesenheit der Bezugsperson zusammenbricht. Bezugspflege wird in der Praxis häufig mit Elementen der Gruppenpflege kombiniert, bei der ein kleines Team gemeinsam für eine feste Gruppe von Bewohnerinnen und Bewohnern zuständig ist.

Abgrenzung

Bezugspflege wird häufig mit Primary Nursing gleichgesetzt, ist im deutschsprachigen Raum aber meist schwächer ausgeprägt: Primary Nursing überträgt der Bezugsperson die volle fachliche und organisatorische Verantwortung über den gesamten Pflegeprozess, während Bezugspflege in der Praxis oft nur die Zuständigkeit für einen festen Personenkreis meint, ohne die weitreichenden Entscheidungsbefugnisse von Primary Nursing. Von der Funktionspflege, bei der einzelne Tätigkeiten arbeitsteilig nach Aufgaben statt nach Personen verteilt werden, unterscheidet sich Bezugspflege durch die personenbezogene statt aufgabenbezogene Organisation.

In der Einführung eines Bezugspflegemodells prüft die Leitung typischerweise, wie viele Bewohnerinnen und Bewohner eine Bezugsperson realistisch übernehmen kann, ohne dass die Verantwortung zur bloßen Formalie wird. Eine zu hohe Fallzahl je Bezugsperson unterläuft den eigentlichen Zweck des Modells, weil die vertiefte Kenntnis der einzelnen Person dann nicht mehr aufgebaut werden kann. Deshalb wird Bezugspflege selten flächendeckend, sondern häufig zunächst in einzelnen Wohnbereichen erprobt und anschließend anhand von Rückmeldungen aus Team und Angehörigenarbeit angepasst.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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