Case Management ist ein systematisches Verfahren, das die Versorgung einzelner Personen über die Grenzen von Sektoren, Berufsgruppen und Institutionen hinweg plant, koordiniert, überwacht und auswertet. Ziel ist eine bedarfsgerechte, lückenlose und wirtschaftliche Versorgung, insbesondere an Schnittstellen wie der Entlassung aus dem Krankenhaus oder dem Übergang in die häusliche Pflege.
Grundlagen
Eine einzelne gesetzliche Definition von Case Management existiert nicht. Mehrere Regelungen greifen jedoch Case-Management-Prinzipien auf: Krankenhäuser sind nach § 39 Absatz 1a SGB V zum Entlassmanagement verpflichtet und müssen den Übergang in die Anschlussversorgung organisieren. Die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI folgt einem ähnlichen Ablauf aus Assessment, Hilfeplanung, Umsetzung und Überprüfung, mit dem Ziel, Pflegebedürftige und Angehörige individuell durch das Leistungsgeschehen zu führen.
Bedeutung für die Praxis
In Pflegestützpunkten, Sozialdiensten von Krankenhäusern und bei Pflegedienstleitungen übernimmt Case Management die Steuerung komplexer Versorgungssituationen: Erfassung des Bedarfs, Organisation von Hilfsmitteln, Abstimmung mit Ärzten, ambulanten Diensten und Angehörigen sowie die Überprüfung, ob die eingeleiteten Maßnahmen wirken. Die Pflegeplanung einer einzelnen Pflegefachperson für eine Bewohnerin oder einen Bewohner ist enger gefasst als Case Management, das häufig mehrere beteiligte Stellen und längere Zeiträume koordiniert. In der Einrichtungsleitung wird Case Management zunehmend auch strukturell verankert, etwa als eigene Stelle für die Überleitung zwischen Krankenhaus und Pflegeeinrichtung.
Abgrenzung
Case Management unterscheidet sich vom Pflegeprozess, der die fachliche Planung, Durchführung und Evaluation der Pflege einer einzelnen Person durch die zuständige Pflegefachperson beschreibt. Case Management setzt breiter an, bezieht mehrere Leistungserbringer ein und deckt zusätzlich soziale, rechtliche und finanzielle Aspekte ab, etwa die Klärung von Pflegegrad, Wohnsituation oder rechtlicher Vertretung.
Ablauf im Überblick
Der Case-Management-Kreislauf gliedert sich in wiederkehrende Schritte:
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| Assessment | Erfassung des individuellen Bedarfs und der Ressourcen |
| Hilfeplanung | Festlegung von Zielen und einzuleitenden Maßnahmen |
| Durchführung | Koordination der beteiligten Leistungserbringer |
| Monitoring und Evaluation | Überprüfung, ob die Maßnahmen wirken, und Anpassung des Plans |
In der Praxis verläuft dieser Kreislauf selten geradlinig: Neue Informationen, ein veränderter Gesundheitszustand oder ein Wechsel der Wohnform machen es häufig notwendig, einzelne Schritte erneut zu durchlaufen. Case Management ist deshalb kein einmaliges Verfahren, sondern eine kontinuierliche Begleitung über den gesamten Versorgungsverlauf.