Wundmanagement umfasst die systematische Einschätzung, Versorgung und Dokumentation von akuten und chronischen Wunden sowie die Organisation der dafür notwendigen Abläufe, Zuständigkeiten und Materialien in einer Pflegeeinrichtung. Es reicht von der Prävention über die fachgerechte Versorgung bis zur Zusammenarbeit mit Ärztinnen, Ärzten und Wundexpertinnen und Wundexperten.
Grundlagen
Fachliche Grundlage ist der DNQP-Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“, der die Einschätzung, Planung, Durchführung und Evaluation der Wundversorgung strukturiert beschreibt (Stand: September 2026). Die eigentliche Wundbehandlung, etwa der Wechsel bestimmter Verbandmaterialien, zählt fachlich zur Behandlungspflege und erfolgt auf ärztliche Verordnung oder im Rahmen einer wirksam übertragenen Delegation ärztlicher Leistungen. Einrichtungen benennen dafür häufig eine pflegerische Fachkraft mit Zusatzqualifikation als Wundexpertin oder Wundexperten.
Bedeutung für die Praxis
Für die Pflegedienstleitung ist Wundmanagement ein Bereich mit hohem Haftungs- und Qualitätsrisiko: Nicht erkannte oder unzureichend dokumentierte Wunden gehören zu den häufigsten Beanstandungen bei externen Qualitätsprüfungen. Die Leitung sorgt für standardisierte Verfahren zur Risikoeinschätzung, etwa im Rahmen der Dekubitusprophylaxe, für eine lückenlose Wunddokumentation mit Verlaufsfotos und -maßen sowie für klare Zuständigkeiten zwischen Pflege, Hausärztinnen und Hausärzten sowie gegebenenfalls spezialisierten Wundzentren. Regelmäßige Fortbildungen sind notwendig, weil sich Verbandstoffe und Therapieverfahren kontinuierlich weiterentwickeln. Zusätzlich achtet die Leitung darauf, dass Ernährungszustand und Mobilität der betroffenen Person in die Wundversorgung einbezogen werden, da beide Faktoren die Heilung erheblich beeinflussen. Auch die Schmerzsituation und die psychische Belastung durch eine lang bestehende Wunde gehören in eine vollständige Betrachtung, weil sie Therapietreue und Lebensqualität der betroffenen Person unmittelbar beeinflussen und in der Pflegeplanung entsprechend berücksichtigt werden sollten.
- Standardisierte Wundeinschätzung mit Größe, Tiefe, Wundrand und Umgebung
- Verlaufsdokumentation, meist mit Fotos in festen Abständen
- Verbandwechsel nach ärztlicher Verordnung oder Delegation
- Schmerzeinschätzung im Zusammenhang mit der Wundversorgung
- Abstimmung mit Hausärztinnen, Hausärzten und Wundzentren
Abgrenzung
Von der allgemeinen Grundpflege unterscheidet sich Wundmanagement durch seinen spezialisierten, oft ärztlich angeordneten Charakter. Von der reinen Wundprophylaxe unterscheidet es sich, weil es sich auf bereits bestehende Wunden bezieht, während Prophylaxe wie die Dekubitusprophylaxe auf die Vermeidung neuer Wunden zielt; beide Bereiche greifen in der Praxis eng ineinander.