Controlling im Gesundheitswesen bezeichnet die systematische Erfassung, Auswertung und Steuerung wirtschaftlicher und qualitativer Daten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten. Es liefert Leitungen die Informationsgrundlage für Entscheidungen zu Personaleinsatz, Investitionen und strategischer Ausrichtung und verbindet betriebswirtschaftliche Methoden mit den fachlichen Besonderheiten der Gesundheitsversorgung.
Grundlagen
Eine eigenständige gesetzliche Controlling-Pflicht besteht nicht unmittelbar, jedoch ergeben sich mittelbare Anforderungen aus der Pflicht zu wirtschaftlicher Betriebsführung, aus Vorgaben zur Vergütungsverhandlung mit den Kostenträgern nach SGB XI und SGB V sowie aus Rechnungslegungspflichten. Für Krankenhäuser prägt zusätzlich das Fallpauschalensystem die Controlling-Praxis, da die Fallpauschale unmittelbaren Einfluss auf Erlöse und damit auf die Steuerungsgrößen hat.
Bedeutung im Pflegemanagement
Für Einrichtungsleitungen liefert das Controlling die Datenbasis, um Personalbedarf, Auslastung und Wirtschaftlichkeit einzelner Bereiche zu bewerten und mit den Kennzahlen in der Pflege zu verknüpfen. Typische Steuerungsgrößen sind Belegungsquote, Personalkostenanteil, Krankheitsquote und Fluktuation. Controlling-Berichte bilden häufig die Grundlage für Gespräche mit Kostenträgern im Rahmen der Vergütungsverhandlung sowie für interne Budgetplanungen. In größeren Trägerstrukturen ist Controlling organisatorisch oft zentral angesiedelt, arbeitet aber eng mit den einzelnen Einrichtungsleitungen zusammen, die die operativen Daten liefern und interpretieren müssen. Auch Qualitätsindikatoren fließen zunehmend in Controlling-Systeme ein, um wirtschaftliche und fachliche Steuerung nicht getrennt zu betrachten.
Abgrenzung
Controlling ist von der Buchhaltung abzugrenzen, die vergangenheitsbezogen dokumentiert, während Controlling zukunftsgerichtet plant und steuert. Vom reinen Qualitätsmanagement unterscheidet es sich durch den primären Fokus auf wirtschaftliche Größen, wobei beide Bereiche in der Praxis eng miteinander verzahnt sind.
In Studiengängen des Pflegemanagements ist Controlling regelmäßig ein eigenständiges Lehrmodul, weil angehende Leitungskräfte lernen müssen, betriebswirtschaftliche Kennzahlen zu interpretieren, ohne den fachlichen Versorgungsauftrag aus dem Blick zu verlieren. In der Praxis zeigt sich dieser Balanceakt besonders deutlich bei Entscheidungen über Personalstellen, bei denen wirtschaftliche Kennzahlen und pflegefachliche Notwendigkeit gegeneinander abgewogen werden müssen.
Ein gut aufgestelltes Controlling stellt Leitungsebenen regelmäßige Berichte zur Verfügung, etwa als Monats- oder Quartalsübersicht, in denen Abweichungen von der Planung frühzeitig sichtbar werden. So lassen sich Gegenmaßnahmen rechtzeitig einleiten, bevor sich wirtschaftliche Probleme verfestigen. Für Träger mit mehreren Standorten ermöglicht ein einheitliches Berichtswesen zudem den Vergleich zwischen Einrichtungen und die Identifikation von Bereichen mit besonderem Steuerungsbedarf.