Schmerzmanagement umfasst die systematische Erfassung, Einschätzung, Behandlung und Verlaufskontrolle von Schmerzen bei pflegebedürftigen Menschen. Es zielt darauf, Schmerzen frühzeitig zu erkennen, angemessen zu lindern und ihre Auswirkungen auf Alltag, Mobilität und Lebensqualität zu begrenzen. Schmerzmanagement ist sowohl bei akuten Schmerzen, etwa nach einem Sturz oder einer Operation, als auch bei chronischen Schmerzzuständen relevant und betrifft alle Versorgungsformen von der ambulanten bis zur stationären Pflege.
Grundlagen
Fachliche Grundlage bilden die Expertenstandards des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege zum Schmerzmanagement bei akuten und bei chronischen Schmerzen. Sie beschreiben, wie Schmerzen strukturiert erfasst, mit standardisierten Instrumenten eingeschätzt und in enger Abstimmung mit der ärztlichen Schmerztherapie behandelt werden sollen. Bei Menschen, die sich sprachlich nicht oder nur eingeschränkt äußern können, etwa bei fortgeschrittener Demenz, sehen die Standards die Nutzung von Fremdeinschätzungsverfahren vor, die auf Verhaltensbeobachtung beruhen.
Bedeutung für die Praxis
Die Leitung verantwortet, dass geeignete Erfassungsinstrumente verbindlich eingeführt und die Mitarbeitenden im Umgang damit geschult sind, damit Schmerzäußerungen nicht als Verhaltensauffälligkeit fehlgedeutet werden. Ergebnisse der Schmerzeinschätzung fließen in die Pflegeplanung ein und müssen regelmäßig überprüft werden, insbesondere nach Veränderungen der Medikation. Da die eigentliche Schmerztherapie ärztlich verantwortet wird, organisiert die Leitung verlässliche Kommunikationswege zwischen Pflege und behandelnden Ärztinnen und Ärzten, damit Beobachtungen der Pflege zeitnah in Therapieentscheidungen einfließen. Neben medikamentösen Maßnahmen gehören auch nichtmedikamentöse Verfahren wie Lagerung, Bewegung oder Entspannung zum pflegerischen Handlungsspielraum, die die Leitung als festen Bestandteil des Schmerzmanagements in Konzepten und Schulungen verankert.
Abgrenzung
Schmerzmanagement ist von der medizinischen Schmerztherapie abzugrenzen: Die Therapieentscheidung, etwa die Verordnung eines Schmerzmittels, trifft die Ärztin oder der Arzt, während die Pflege den Schmerz erfasst, die Wirkung von Maßnahmen beobachtet und Rückmeldung gibt. Von der Palliativpflege unterscheidet sich Schmerzmanagement dadurch, dass es nicht auf die letzte Lebensphase beschränkt ist, sondern in jeder Versorgungssituation mit Schmerzen relevant wird.
Gängige Erfassungsinstrumente
- Numerische oder verbale Ratingskala für auskunftsfähige Personen
- Fremdeinschätzungsskalen für Menschen mit eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit
- Schmerztagebuch zur Verlaufsdokumentation
- Standardisierte Ersteinschätzung bei Aufnahme und nach Veränderungen des Zustands